Wie erleichtere ich mir mein Leben?

Das Leben ist im Grunde ziemlich einfach. Das stärkste Glücksgefühl und die größte Zufriedenheit sind sehr leicht zu erreichen. Klares, kühles Wasser aus einem Gebirgsbach ist das erfrischendste Getränk, wenn ich auf einer langen Wanderung so richtig Durst habe. Die Wärme eines Ofens erscheint mir als das Allerschönste auf der Welt, wenn ich vorher gefroren habe. Und wenn ich wirklich hungrig bin, empfinde ich ein schlichtes, aber reichliches Essen als großartiges Fest. Ich weiß das, denn ich habe es selbst erlebt.

Flaumfeder - zum Vergrößern bitte anklickenVon März bis Oktober 1997 unternahm ich eine Reise rund um Deutschland, lediglich mit Rucksack und Zelt ausgestattet. Den Beginn dieser Wanderung und das Schlüsselerlebnis, das letztlich auch zum Entstehen dieser Internetseiten führte, beschreibe ich ausführlich in Zum Leben erwacht. Ich hatte damals nur das dabei, was ich wirklich brauchte und liebte, und plötzlich reichte ein Minimum an Kleidung, um für meine Zwecke immer passend angezogen zu sein, ein paar Quadratmeter Stoff boten mir ein schützendes Dach über dem Kopf und ein handliches Kochgeschirr genügte, um die köstlichsten Schlemmermahlzeiten zuzubereiten. In dieser Zeit begann ich zu ahnen, wie erleichternd es sein könnte, einfacher zu leben. Ich habe aus diesen Erfahrungen gelernt und erinnere mich täglich daran, wie wertvoll die einfachen Dinge des Lebens sind. Heute schaffe ich es, mit bedeutend weniger auszukommen als früher.

Weniger ist oft mehr!

Es ist sehr befriedigend, morgens den Schrank zu öffnen und vor einer übersichtlichen Auswahl von Lieblingskleidungsstücken zu stehen, den Sparschäler beim ersten Griff in die Küchenschublade zu finden, kleinere Wäscheberge zu erzeugen und weniger Müll zu verursachen. Und der Gewinn kann sich sehen lassen: Zeit und Freiheit! Zeit zu leben, die Natur zu genießen, im Straßencafé zu sitzen, eine Ausstellung anzusehen, ein Gespräch zu führen oder an www.leben-lernen-lieben.de zu arbeiten. Die Freiheit, Mensch zu sein, zu träumen, zu spielen, zu lachen, zu lieben, zu erfinden, nachzudenken und zu wachsen. Ich liebe das einfache Leben und möchte, dass das auch so bleibt! Was ich selbst immer wieder dafür tue, darum geht es beim Thema Einfach leben.

Was ist wirklich wichtig?

Einfach zu leben bedeutet in erster Linie, mich zu fragen, was, wie viel und vor allem warum ich etwas brauche. Wir alle haben eine Reihe von Interessen, umgeben uns mit einer Anzahl von Dingen und stehen zu anderen Menschen in vielfältigen Beziehungen. Und mein Leben wird einfacher, wenn ich mich nur mit Menschen umgebe und mit Dingen beschäftige, die ich wirklich brauche oder liebe. Am besten natürlich beides. Mit Dingen, die meine Seele ansprechen und mir Freude bereiten. Mit Menschen, die mir gut tun und denen auch ich etwas bedeute. Mein Leben wird einfacher, wenn ich meine Energie und meine Zeit für all das nutze, was wirklich wichtig für mich ist.

Stellt sich also die Frage: Was ist es wert, in den Rucksack für meine Lebensreise gepackt zu werden? Was brauche ich wirklich? Was meinst Du?

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6 Kommentare zu „Wie erleichtere ich mir mein Leben?“

  • Bonafilia sagt:

    Oh das ist genau das womit mein lieber Mann und ich uns seit einiger Zeit beschäftigen.
    Wir haben festgestellt das wir im Studium mit weniger Hab und Gut glücklicher waren als mit all dem Besitz den wir nun unser Eigen nennen. Nun gut, wir hatten keine Kinder weniger Verpflichtungen , doch gerade das scheint mir der Knackpunkt zu sein, kann ich doch ebenfalls oder gerade mit einer Familie einfacher bescheidener leben und somit glücklicher als in einer Konsumwelt.  Wir versuchen gerade die Geister die wir riefen wieder loszuwerden. Weniger arbeiten mehr genießen , weniger materielle Dinge anzuraffen um freier zu leben. Es ist ein Prozess und manchmal ist es gar nicht einfach die ehrliche Antwort auf Fragen “Brauch ich das wirklich?” ehrlich zu beantworten.
     
    “Was ist MIR wirklich wichtig?”
    Eine gute Frage….Liebe Grüße Bonafilia

  • Astraryllis sagt:

    Wie erleichtere ich mir mein Leben?
     
    Dazu fällt mir mein Studium ein. Damals war ich sehr auf Noten und Leistung fixiert. Dann erlebte ich ein sehr übles Mobbing von gleich mehreren Seiten. Ich war zwar so dickköpfig, mein Studium noch abzuschließen, aber ich hatte durch das Mobbing so lange gebraucht, dass an eine Anstellung irgendwo gar nicht mehr zu denken war.
    Während ich jahrelang an der Uni gemobbt wurde und sehr darunter gelitten habe, hatte mein Mann sein eigenes Studium abgeschlossen und Erfolg im Beruf.
    Er bot mir an, daheim zu bleiben als “Nur”-Hausfrau. Ich fühlte mich bei dem Gedanken furchtbar, denn wie gesagt, war ich total auf Noten, Leistung und Erfolg fixiert. Aber ich nahm an, weil ich praktisch keine Wahl hatte. Und ich fiel erst einmal in ein tiefes Loch, als ich die Uni verlassen hatte. Alles, was ich für wichtig gehalten habe, war mir für immer verbaut.
    Es hat Jahre gedauert, bis ich aufgehört habe täglich zu weinen und beschloss, dass ich meine innere Leere überwinden und wieder weiterleben will. Damals konnte ich mit mir überhaupt nichts anfangen, bloß dasitzen und versuchen die Gedanken möglichst davon abzuhalten, wieder an die Uni zu gehen. Mich hat einfach gar nichts interessiert. Nur Tagebuch schrieb ich gerne, aber auch dort habe ich bloß an die Uni gedacht und gejammert.
    Nein, ich hatte kein einschneidendes Erlebnis, wie Du an der Zugspitze. Das hätte mich vermutlich rasch von der Vergangenheit weggebracht und wieder für das Leben und die Gegenwart geöffnet. Ich habe diese Quälerei ganz bewusst erlebt über Jahre hinweg und schriftlich auf Papier in meinen Tagebüchern dokumentiert. Ich war mir immer auch sicher, dass es so nicht für immer weitergehen würde und ich wollte ganz genau dokumentieren, wie es mir allmählich wieder besser ging, was mir dabei half wieder weiterzuleben.
     
    Zufällig stieß ich in dieser Zeit, als ich beschloss alles aufzuschreiben, was ich empfand und dachte, auf Ulrich Schaffer. Den hatte ich etliche Jahre zuvor flüchtig durch ein Buch, das meine Schwiegermutter besaß, kennen gelernt. Ein Gedicht hatte mich schon damals ganz besonders angesprochen und ich suchte danach, bis ich es fand. Hier dieses Gedicht von Ulrich Schaffer:
     
    Programm für eine kleine Revolution
     
     
    1 Sieh in die Wolken.
    Entdecke nichts in ihnen.
    Achte nicht darauf,
    welche sich auflösen und
    welche größer werden.
    Werde eine Wolke.
     
    Laß dich vom Wind treiben.
    Laß dich los.
    Laß los.
    Laß doch los.
     
    2 Laß einen wichtigen Termin verfallen,
    etwas, wo du unabkömmlich bist.
    Beweise deine Abkömmlichkeit.
     
    3 Fahre/gehe auf einem anderen Weg zur Arbeit/Schule
    und laß dir Zeit, viel Zeit.
    Dann lerne innerlich andere Wege zu gehen.
     
    4 Bestrafe dich nicht.
    Glaube dir, daß du leben willst.
    Du weißt doch, daß du nicht so dumm bist,
    so gegen dich zu sein,
    wie die anderen dir unterstellen.
     
    5 Glaube einen Augenblick lang,
    daß Gott von deinen Gedanken an ihn abhängig sein könnte.
     
    6 Bekämpfe deine Träume nicht.
    Glaube ihnen.
    Sieh in ihnen deinen Wunsch nach Leben.
    Mache sie wahr.
     
    7 Achte dich hoch,
    daß du den andern höher als dich selbst achtest.
     
    8 Lies alle Eintragungen unter dem Buchstaben “C” in einem Taschenlexikon.
    Lies sie alle.
    Entdeckst du, daß es draußen noch eine andere Welt gibt
    als die deines Karussells, auf dem du dich bis zum Umfallen drehst?
    Entdecke diese Welt.
    Werde ein Experte über John Cabot
    (italienischer Seefahrer 1425-1498)
    oder lies sein Stück von Calderon
    (“Das Leben ein Traum” würde ich dir empfehlen).
    Reise mal nach Calw
    (da ist Hesse geboren),
    oder besieh die Bilder von Carpaccio
    (das könnte doch für ein Jahr “dein” Maler werden).
    Versuche eine ganz leichte Komposition von Chopin auf dem Klavier zu spielen
    (sag nicht immer gleich “kann ich nicht”).
     
    Öffne dir die Welt.
    Tritt in sie ein.
    Was du draußen findest,
    wird in dir etwas zum Klingen bringen.
     
    9 Geh und stelle dich wie ein Baum in die Landschaft.
    Laß deine Wurzeln wachsen,
    erlebe deine Krone.
    Über dir ist blauer Himmel (auch wenn es regnet).
    Gott hat ihn blau gemacht,
    weil er sich über dich als Baum freut.
     
    10 Stell dir vor,
    daß die Augen deiner Freundin, deines Freundes, deines Kindes, deines Vaters
    Teiche sind,
    in denen du tauchen kannst.
    Jetzt schwimmst du in ihnen und erfährst ihre Tiefe.
     
    11 Gib deiner Angst einen Namen:
    “Emma” meinetwegen oder “Unfähigkeit” oder “Vergangenheit”,
    und schreib der Angst einen Brief
    und schreibe auch die Antwort auf,
    die dir die Angst schickt.
     
    12 Sag nein ohne schlechtes Gewissen.
    Du entscheidest.
     
    13 Rufe jemand an und rede anders als sonst:
    direkter, offener, sei in deinen Worten.
    Sprich über das, was du fühlst (du darfst dich sogar blamieren).
    Sei doch nicht so vorhersagbar.
     
    14 Denke an Gott,
    nicht als Gott, sondern als Freund,
    den du besuchen kannst.
    Schreib ihm einen Brief.
    Rede mit ihm am Telefon,
    ohne eine Nummer zu wählen.
    Alle Nummern gehören ihm.
     
    15 Schreibe hundertmal auf
    “Ich kann mich verändern”
    und glaube daran,
    indem du dir ein mögliches,
    erreichbares Programm liebevoll zusammenstellst.
     
    Ich spürte, dass ich wirklich etwas ändern wollte, dass ich wieder bewusster und glücklicher leben wollte. Ich versuchte mir z.B. auch einen Lieblingsmaler zu suchen, aber meine Ansprüche an mich selbst waren viel zu groß und oft war es so, dass ich die Lebensgeschichte des Malers mit Daten auswendig lernte und mich gar nicht von seinen Bildern berühren ließ.
    Ich hatte verlernt Emotionen an mich heranzulassen, weil es zu lange zu weh getan hatte.
    In meinen jungen Jahren hatte ich viel gelesen und ich versuchte es damit, aber ich konnte nicht mehr Geschichten und Romane lesen wie damals, denn ich konnte mich nicht in eine Geschichte hineinbegeben, nicht mitfiebern.
    Ich hatte überhaupt furchtbare Angst davor mich fallen zu lassen. Nur mein Verstand war noch ansprechbar und mein einziger Zugang zu Texten. Ich las lange bloß Sachbücher, was aber nur meinen Verstand ansprach. Es war aber zugleich auch eine Art “Reduktion auf das Wesentliche”. Das waren meine “Jahre in der Wüste”.
    Es ging nur langsam voran. Bis ich begann Karten mit Weisheitssprüchen zu sammeln. Ich suchte mir immer wieder Aphorismen aus, die mich ganz besonders ansprachen und schrieb meine Gedanken dazu in meine Tagebücher auf Papier. Mein Mann, der sich beruflich gut mit Computern auskennt, schlug mir vor, doch andere an meinen Gedanken teilhaben zu lassen.
    Noch am selben Abend richtete er mir mein Blog “Astraryllis” im Netz ein und ich begann dort ein öffentliches Tagebuch zu führen und Gedichte, Aphorismen usw., die für mich wichtig waren, zu sammeln. Schreibend schaffte ich es, mein inneres Gefängnis zu überwinden und hinter mir zu lassen.
    Heute ist die Auseinandersetzung mit mir selbst in schriftlicher Form im Blog und auch in meinen Tagebüchern auf Papier für mich ein neuer Lebensinhalt geworden. Der hatte mir so sehr gefehlt, nachdem ich die Uni verlasen hatte. Ich betreibe ganz gezielt mein inneres Wachstum und wünsche mir für meine Zukunft, dass ich weise werde.
    Weisheit macht so viel mehr Sinn als Noten und Leistung. Es füllt mich aus daran bzw. an mir selbst zu arbeiten. Mein Leben ist heute so viel glücklicher, als es noch an der Uni war, als ich noch Ziele verfolgt habe, die gar nicht wirklich meine waren.
    Ein ganz wichtiger Punkt in meinem alltäglichen Leben sind die “kleinen Alltagsfreuden”, die Freude an den kleinen Dingen. Bewusst zu leben, zu er-leben und das auch mittels Reflektion zu verinnerlichen, zu lernen, was es daraus zu lernen gibt.
    Das Leben immer mehr lieben zu lernen, spielt heute eine sehr große Rolle in meinem Leben.
     
    Bitte entschuldige, dass ich mir hier so lang und breit auslasse, das ist bestimmt sehr anstrengend zu lesen. Dein Post “Zum Leben erwacht” hat mich dazu angeregt.
    Liebe Grüße,
    Astraryllis.

  • Jürgen sagt:

    Liebe Bonafilia,

    es braucht im Grunde wirklich nur sehr wenig, um rundum glücklich zu sein. Du und Dein Mann, Ihr beide habt diese Erfahrung schon machen dürfen – und Ihr könnt sie jederzeit wieder machen und damit auch Euren Kindern ein großes Vorbild sein. Vielleicht sollten wir das, was da gerade geschieht – und was manche »Krise« nennen – als ein Zeichen dafür deuten, dass es weit Wichtigeres in unserem kurzen Leben gibt als immer weiter, schneller, höher, reicher …

    Du hast vollkommen recht: Was DIR wichtig ist – darauf kommt es an, und NUR darauf. Wenn Du genau das tust, hast, lebst und fühlst, dann bist Du unermesslich reich und kannst mehr geben, als Du je geahnt hast. Drum stelle Dir diese Frage immer wieder und höre auf die Antworten, die Dein Herz Dir zuflüstert – oder manchmal sogar entgegenschreit.

    Alles Liebe,
    Jürgen

  • Jürgen sagt:

    Liebste Astraryllis,

    ich bin sprachlos! Was Du da erzählst, hat mich sehr tief berührt. Wie viele Menschen es wohl gibt, die ihr Leben lang Ziele verfolgen, die gar nicht ihre eigenen sind? Du hast es wenigstens irgendwann erkannt. Doch warum muss diese Erkenntnis so spät im Leben kommen? Warum sagt man jungen Menschen nicht, wie kurz das Leben in Wirklichkeit ist, und dass sie das tun sollen, was ihnen Freude bereitet und sie selbst und andere glücklich macht? Warum sagt man ihnen nicht, dass Karriere von einem französichen Wort kommt, das neben beruflicher Laufbahn eben auch den Lebensweg meint? Und warum sagt man ihnen nicht, wie wichtig es ist, dass sie IHREN EIGENEN WEG suchen und gehen?

    Das ist mit ein Grund, warum ich wieder begonnen habe, meine Gedanken ins Netz zu stellen. Das Internet ist ein Medium der jungen Generation (und der Junggebliebenen). Und ich wünsche mir, dass sehr viele junge Menschen auf ihrer Suche nach Antworten hier vorbeikommen und so vielleicht früher als wir erfahren, worauf es letztlich ankommt. Alles mit wachen Sinnen und offenem Herzen wirklich zu erLEBEN, jeden Tag über irgendetwas zu Staunen und das zu LERNEN, was man für ein gelungenes Leben wissen muss, und – ganz wichtig: Alles mit LIEBE zu tun, damit die Seele in jedem Augenblick einen Grund hat zu Jubeln!

    Ich danke Dir ganz herzlich dafür, dass Du Deine Lebensgeschichte hier mit uns allen geteilt hast. Sie ist nicht zu lang – sie ist sehr lehrreich!! Und weise bist Du sicher schon ein wenig, denn Weisheit ist gelebte Erkenntnis.

    Ich wünsche Dir, dass Du jeden Tag ein kleines Stückchen weiterwächst,
    Jürgen

    PS: Dass ich Ulrich Schaffer im Rahmen mehrerer Lesungen bereits persönlich getroffen habe, hatte ich Dir schon erzählt, wenn ich mich recht erinnere. Punkt 8 seines Programms werde ich diese Woche mal ausprobieren. Da gibt es sicher viel Neues zu entdecken.

  • Nice site design , what is the name of tamplate you used in your site

  • Jürgen sagt:

    Hallo, this design I developed by myself. Let it call 3L-Theme for the great three L’s of this page: life, learning and love. If you like it, I will send you the files to download.

    Hallo, dieses Design habe ich selbst entwickelte. Lass es uns 3L-Theme nennen, für die großen drei Ls dieser Seite: das Leben, das Lernen und die Liebe. Wenn Du es magst, schicke ich Dir gerne die Dateien zum herunterladen.

    Best regards/Liebe Grüße,
    Jürgen

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