Warum schreibe ich?

Schreiben - zum Vergrößern bitte anklickenDas hat verschiedene Gründe:

Quelle der Freude

In erster Linie ist das Formulieren und Aufschreiben meiner eigenen Gedanken und Erlebnisse für mich eine der wichtigsten Quellen der Freude. Schon als kleiner Junge war ich vom Umgang mit der Sprache fasziniert. Und seit diesen frühen Gehversuchen macht es mir einfach immer wieder einen riesigen Spaß, mit Worten umzugehen wie ein Handwerker mit seinem Holz, seinem Stein oder was auch immer, sie zu behauen, zu schnitzen, zu formen, zu verknoten, abzuhobeln und abzuschmirgeln, bis sie genau das ausdrücken, was ich fühle und wovon ich in meinem Innern überzeugt bin.

Spiel mit der Sprache

Ich spiele gerne mit Buchstaben, Wörtern und Sätzen, indem ich sie immer wieder anders kombiniere, hin und her drehe, vorwärts, rückwärts. Das begeistert mich sehr und führt mich oft zu neuen Einsichten. So habe ich zum Beispiel einmal das Sprichwort »Es ist nicht alles Gold, was glänzt« umgestellt, und heraus kam »Es glänzt nicht alles, was Gold ist.« Und ich hätte nie geahnt, dass mir genau dieser Satz viele Jahre später helfen könnte, in Ulrike das zu entdecken, was in ihr steckte. Diese einfache, aber tiefe Erkenntnis hat mir über so manche weniger angenehme Phase hinweggeholfen. Und heute weiß ich mehr denn je, wie sehr sich das gelohnt hat. Doch das gilt nicht nur für Ulrike. Wie viel Wertvolles können wir entdecken, wenn wir mehr auf das Innere schauen. Jeder Mensch, jedes Ding und jede Situation trägt ein »Goldstück« in sich, so versteckt es manchmal auch ist.

Selbsterkenntnis

Neben dem reinen Vergnügen, das ich beim Schreiben empfinde, ist es für mich auch ein Weg zur Selbsterkenntnis. »Schreiben heißt: sich selber lesen«, sagte Max Frisch. In diesem Sinne schreibe ich, um meinen Gedanken und Gefühlen auf die Spur zu kommen. Ich erforsche mich selbst quasi mit Papier und Stift bzw. mit Bildschirm und Tastatur. Schreiben macht mich dadurch offen für das, was in mir ist; es ist ein Versuch, mich selbst ein wenig besser zu verstehen. Denn das, was ich schreibe, ist ja immer auch ein Stück von mir. Es zeigt mir meinen eigenen Weg durchs Leben und gibt mir auch die Kraft, diesen zu gehen.

Werkzeug zum Lernen

Ich lerne sehr viel, indem ich schreibe. Nicht nur über mich selbst, sondern auch über das, was ich erlebe, was ich beobachte, was ich sehe, was ich höre und was es für mich bedeutet. Im Zentrum steht dabei das, was mich weitergebracht hat und weiterbringt. Ich kann und muss beim Schreiben mehr nachdenken – und das tut mir gut. Beim Schreiben wird mir selbst vieles klarer, vor allem auch mein eigener Standpunkt. Ich war immer davon überzeugt, dass ich die Antworten meines Lebens selbst finden muss. Und dabei hilft es mir wirklich sehr, meine Erkenntnisse schwarz auf weiß vor mir zu sehen.

Abstand gewinnen

Indem ich das, was mich berührt, bewegt und beschäftigt, niederschreibe, schaffe ich Distanz dazu. Auf diese Weise kann ich manches objektiver beurteilen. Ich kann Entscheidungen besser abwägen und Fragen bewusster klären. Und vieles kann ich mir so regelrecht von der Seele schreiben, es gründlicher verarbeiten und mich schließlich auch davon befreien. Übrigens könnte man meine größte Stärke und gleichzeitig meine größte Schwäche sehr gut in einem Wort ausdrücken: Abstand.

Erinnerungen bewahren

Eindrücke und Erfahrungen aufzuschreiben unterstützt mich auch dabei, das, was ich mir bewahren möchte, in meiner Erinnerung immer wieder von Neuem zu erleben. Ich blättere sehr gerne in den vielen Seiten, die ich zu Papier gebracht habe. Wie sagt man im fernen Osten so treffend? »Die schlechteste Tinte ist besser als das beste Gedächtnis.« Das kann ich nur bestätigen. Darum schreibe ich all das Schöne auf, das mir begegnet. Gleichzeitig schaffe ich damit auch Raum für alles, was mir noch an Gutem beschert wird. Und vielleicht ist auch für dich interessant, was Ulrike und ich so erleben.

Selbstausdruck

Im Gegensatz zum persönlichen Gespräch kann ich beim Schreiben in dem mir eigenen Tempo meine Gedanken denken, Worte suchen und schreiben. Dabei hängt dieses Tempo sehr davon ab, wie intensiv ich an manchen Themen bereits »rumgedacht« habe – und ob die entsprechenden Gedanken und Vorstellungen mir selbst schon so klar und eindeutig sind, dass ich sie beschreiben kann. Manches schreibt sich sehr flott. Das sind dann Dinge, die mich ziemlich beschäftigt haben, an denen ich schon viel vorgedacht habe. Für Anderes brauche ich länger. Da denke ich sozusagen erst beim Schreiben.

Glückserlebnis

Am berauschendsten aber ist es, wenn es mich beim Schreiben so richtig fortreißt; wenn ich das erlebe, was die moderne Psychologie »Flow« nennt. Bei manchem Brief, mancher E-Mail, manchem Text, manchem Gedicht, manchen Buch- oder Internetseiten – da schreibt es sich einfach. Da quillt etwas aus mir heraus, die Finger auf der Tastatur oder der Stift in der Hand kommen den Gedanken gar nicht mehr hinterher. So ergeht es mir natürlich auch oft, wenn ich hier auf www.leben-lernen-lieben.de für Dich schreibe.

Ja, es ist wirklich so: Wenn ich an meinem Computer sitze und schreibe, empfinde ich fast jedes Mal ein starkes Gefühl der Dankbarkeit, spüre, wie wunderbar es ist, zu leben. Jedes Mal, wenn mir eine Formulierung besonders gut gelungen ist, steigt in mir ein Jubel auf, der den Lohn in sich selbst trägt. Dann erfasst mich ein unendliches Glücksgefühl.

Wachstum

Vieles, was ich schreibe, ist nicht »fertig«. Oft sind es nur Bruchteile, Gedankenfetzen, einzelne Puzzle-Teile – so wie ich ja auch nicht »fertig« bin, sondern immer weiterwachse und mich verändere (hoffentlich zum Guten). Ja, es scheint mir so zu sein, dass je mehr ich schreibe, umso mehr noch in mir gefunden und gesagt werden will. Und so ist auch dieser Text über das Schreiben noch sehr lückenhaft. Aber ich denke, du kannst meine Begeisterung dafür nun etwas besser verstehen.

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