Was macht ein gelungenes Leben aus?

Vor 12 Tagen habe ich hier drei in meinen Augen sehr wesentliche Lebensfragen gestellt. Und wie versprochen, werde ich sie nun auch selbst beantworten. Lass mich hier und jetzt mit der ersten beginnen: Was bedeutet für mich ein gelungenes und erfülltes Leben, und was bin ich bereit, heute dafür zu tun?

Grabstein auf dem alten Freiburger Friedhof - zum Vergrößern bitte anklickenIm November 2008 starb nach langer Krankheit einer meiner Cousins. Wolfgang war gerade mal 56 Jahre jung. Er war immer eines der lebenslustigsten und fröhlichsten Mitglieder unserer Familie, und lange konnte ich nicht begreifen, warum wir gerade von ihm so früh Abschied nehmen mussten.

Heute habe ich ein wenig Abstand gewonnen und verstehe die Worte Khalil Gibrans besser: »Am Grunde des Herzens eines jeden Winters liegt ein Frühlingsahnen, und hinter dem Schleier jeder Nacht verbirgt sich ein lächelnder Morgen.«

In diesem Sinne ist jede Trauer vergleichbar mit einer Wanderung durch eine dunkle, sternenlose Nacht. Du kannst Dich nur schwer orientieren und hast keinen Weitblick. Irgendwann jedoch beginnt die Dämmerung und im ersten Morgengrauen nimmst Du Deine Umgebung wieder wahr und kannst ganz bewusst den Weg auswählen, den Du gehen willst. Und auf diesem Weg bist Du nicht allein.

Durch diese Erfahrung einmal mehr wachgerüttelt, stellte ich mir die Frage:

Was, wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre?

Natürlich wünsche ich mir, dass ich – gemeinsam mit Ulrike – lange leben kann. Ich stelle mir gerne vor, was ich alles tun könnte, wenn ich mit achtzig oder neunzig oder gar hundert Jahren noch geistig wach wäre. Ich möchte in Würde alt werden und die Weisheit des Alters erlangen. Und doch weiß ich, dass jeder Tag der letzte sein könnte. Wie schnell so etwas geschehen kann, habe ich ja bereits am eigenen Leibe erfahren dürfen. Vielleicht hast Du meinen Bericht Zum Leben erwacht ja schon gelesen. Es ist also durchaus sinnvoll, mir immer wieder diese Frage zu stellen. Denn so hypothetisch sie auf den ersten Blick erscheint, glaube ich doch, dass meine persönliche Antwort darauf mir sehr wichtige Hinweise auf meine eigentliche Richtung im Leben und meine wahren Werte und Prioritäten geben kann. Was ich an meinem letzten Tag tun würde, zeigt auch deutlich, was ich unter einem gelungenen Leben verstehe.

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich jeden Moment davon genießen und für das Wesentliche nutzen; für die Dinge, die mich beflügeln und inspirieren; für die Dinge, die mir wichtig sind. Wenn heute der letzte Tag meines Lebens wäre, würde ich aufmerksamer sein. Ich würde bewusst den Tag beginnen und dankbar sein, dass ich noch einmal am Leben teilhaben darf. Ich würde bewusst aufstehen und mich auf diesen funkelnagelneuen Tag freuen. Ich wäre neugierig auf das, was er mir bringt und würde vom ersten Moment des Erwachens in die Geheimnisse des Lebens hineinhorchen, um noch einmal etwas von dem Sinn zu erahnen, der darin verborgen ist. Was ich an meinem letzten Tag wohl erleben werde? Ich wäre zu allem bereit und würde alles bewusst und achtsam tun und jeden Augenblick ganz auskosten.

Am letzten Tag meines Lebens würde ich viel Zeit mit mir selbst verbringen, um dankbar auf mein Leben zurückzublicken. Ich würde meinen Frieden damit machen. Ich würde mir überlegen, was ich noch erledigen möchte. Wo ist noch etwas unklar in meinem Leben? Wofür sollte ich mich entschuldigen? Was sollte ich mir selbst und anderen vergeben? Ich möchte sterben, wie ich zu leben versuche – in innerer Freiheit!

An meinem letzten Tag würde ich noch einmal hinausgehen in die Natur und auf all die Wunder achten, die mich überall umgeben. Beim Spazierengehen würde ich den Duft der Blumen wahrnehmen, die Schönheit der Wiesen und Wälder. Ich würde die Vögel zwitschern hören. Ich würde mich an einen Bach setzen und das Wasser beobachten, wie es immer weiter fließt, wie es aus einer unerschöpflichen Quelle zu strömen scheint. Ich würde mich noch einmal an diesem Frühlingstag erfreuen, an der Fülle des Sommers, am goldenen Herbst oder an der Wintersonne, die die weiße Schneelandschaft bestrahlt. Und ich würde darauf achten, was die Natur mich zu lehren hat, denn auch an meinem letzten Tag will ich noch ein Stück wachsen und der Weisheit näher kommen.

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich versuchen, so glücklich wie möglich zu sein und die kleinen Freuden des Lebens, die mir auch heute wieder geschenkt werden, bewusster wahrzunehmen. Ich kann durch so unendlich viele Dinge Freude erfahren. Dazu gehören auch die Werke der Kunst. An meinem letzten Tag würde ich mich deshalb auch mit Literatur, Malerei oder Musik beschäftigen. Noch einmal in meinem Lieblingsbuch blättern oder ein Gedicht schreiben; noch einmal eine Kunstausstellung besuchen oder selbst etwas zeichnen, das meiner Stimmung entspricht; noch einmal den wundervollen Klängen eines großen Komponisten lauschen. Es ist vor allem ein Gedicht, das ich an meinem letzten Tag lesen will: »Stufen« von Hermann Hesse. Es würde mir die Zuversicht geben, dass die nächste Stufe meiner Entwicklung auf mich wartet.

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich besonders partnerschaftlich, liebevoll und ehrfurchtsvoll mit mir, meinen Mitmenschen und meiner Mitwelt umgehen. Ich würde mir überlegen, mit welchen Menschen ich heute zusammentreffen möchte. Indem ich darüber nachdenke, mit wem ich meinen letzten Tag gerne verbringen will, wird mir klar, welche Beziehungen wirklich tragen und wo ich anderen letztlich fremd geblieben bin. Ich würde den Menschen, denen ich begegne, sagen, was sie mir bedeuten, was sie in mir ausgelöst haben, welche Erinnerungen mir wichtig sind. Und ich würde ihnen danken für alles, was ich durch sie erfahren und gelernt habe, was sie in mir angestoßen haben und wo sie mir die Augen für das Eigentliche geöffnet haben. Ich würde ihnen sagen, wie ich sie sehe, was ich als das Einmalige und Besondere in ihnen erkenne.

Einer dieser Menschen – ja der liebste überhaupt – ist natürlich Ulrike. Vor meinem inneren Auge stelle ich mir die Begegnung mit ihr vor. Ich schaue sie an, ich halte schweigend ihren Blick aus. In diesem Blick ist schon alles gesagt. Da ist Liebe. Da strömt etwas zwischen uns. Da ist Einverständnis, Dankbarkeit, Staunen über das Geheimnis der Liebe, das uns miteinander verbindet. Und ich weiß, dass unsere Freundschaft durch nichts zerstört werden kann, dass sie alles überdauert, dass sie bis in die Ewigkeit hinein reicht. Ich möchte sagen, was ich mit meinem ganzen Leben vermitteln wollte und was ich gerade Ulrike nochmals zum Abschied mitgeben will. Ich möchte Worte sagen, die Zeit und Raum überdauern. Und es sollen Worte sein, die ausdrücken, was mir in diesem Leben wichtig war, was die stärkste Antriebsfeder für mein Leben war und was ich im Tiefsten meiner Seele ersehnte.

Überhaupt: Wenn ich mir die Gespräche vorstelle, die ich am letzten Tag meines Lebens führen möchte, dann spüre ich die Tendenz, dass ich sorgfältig die Worte auswähle, dass ich nochmals die wichtigste Botschaft formulieren möchte, die ich mit meiner ganzen Persönlichkeit vermitteln wollte. Wenn ich mir überlege, was ich mit meinem Leben ausdrücken möchte, dann kommen mir Worte in den Sinn wie:

Erstellt mit Hilfe von Wordle.

Ich wollte allen Menschen zeigen, dass es wichtig ist, den eigenen Weg zu finden und zu gehen. Leben und leben lassen: das möchte ich als letzte Botschaft an andere hinterlassen!

Es gäbe noch viel zu sagen. Viele Gedanken sind nur angedacht. Vieles bleibt noch offen. Dieses Nachdenken über meinen letzten Tag löst sehr viel aus. Eines scheint mir dabei besonders wichtig: Ich möchte das Gespür für das Wesentliche, das mir dabei geschenkt wird, hinüber retten in mein tägliches Leben. Dann würde ich Gespräche anders führen. Dann würde ich meine eigenen und die Maßstäbe anderer zurechtrücken können. Da würde sich manches in Wohlgefallen auflösen. Über manches könnte ich getrost lachen. Ich spüre, dass da eine andere Qualität in mein Leben käme. Ich würde das sehen, worauf es eigentlich ankommt. Und vielleicht könnte ich es so in Worte fassen, dass auch dem anderen die Augen aufgehen, dass er unter dem Blickwinkel der Ewigkeit alles in einem anderen Licht sieht. Möglicherweise besteht darin die Bestimmung, die ich in diesem Leben habe. Vielleicht wurden mir deshalb die Talente geschenkt, das Gute im Leben zu sehen und es in Worte kleiden zu können. Denn Gaben sind immer auch Aufgaben.

Liebe Leserin, lieber Leser, ich möchte mich für heute mit einem Wort Christian Fürchtegott Gellerts verabschieden: »Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.« – Dein Jürgen

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14 Kommentare zu „Was macht ein gelungenes Leben aus?“

  • Lieber Jürgen,

    du hast es zauberhaft, einfühlsam und einfach hinreißend schön und treffend beschrieben… diesen letzten Tag im Leben, wenn man denn wüßte, daß es so wäre! Dem ist wirklich nichts hinzu zu fügen außer…”LEBE jeden TAG in deinem LEBEN so, als wäre es dein letzter!”
    Nichts steht dem im Wege, denn es ist einzig eine Sache unseres BEWUSSTSEINS.

    Liebe Grüße, Gabriele :-)

  • Jürgen sagt:

    Liebe Gabriele,

    Du sagst es, und um dieses Bewusstsein bei mir selbst und vielleicht auch bei dem einen oder anderen Besucher wach zu halten, schreibe ich diese Seiten. Ich hoffe, das gelingt mir hin und wieder.

    Gute Nacht,
    Jürgen

  • Ernst sagt:

    Guten Morgen Jürgen!

    Um 01:05 Uhr habe ich deinen Eintrag gelesen und war davon sehr berührt, viele Gedanken gingen mir durch den Kopf. Gleichzeitig war ich müde, auch hatte ich den Eindruck das es nicht mehr so warm war in der heißen großen Stadt, und ging zu Bett.

    Die Gedanken zu deinem Eintrag sind noch immer da und ich lege sie hier als Reaktion nieder.

    Wo beginnen vielleicht am Beginn des Lebens oder Lebenskreislaufes (Reinkarnation), in manchen Religionen wird bereits da ein Hinweis auf die Endlichkeit des Lebens gegebe. So werden Christen zum Beispiel auf den Tod Christi getauft und nicht auf das Leben.
    Noch anschaulicher ist dieser Fakt in der orthodoxen Kirche, damit meine ich die Ikonenbilder die nicht irgendwie gemalt werden, für deren Anfertigungen gibt es Regeln für die Darstellung, auch das Thema wird vorgegeben.

    In Vendig voriges Jahr war ich in einem Ikonenmuseum gleich neben der orthodoxen Kirche. Dort erfuhr ich einiges von diesen Regeln, und hier bin ich wieder bei deinem Beitrag. Seht einmal eine Weihnachtsikone an. Das Jesukind in der Krippe? – Nein, auf einer Ikone gibt es keine Wiege oder ein liebliches Kindbett, sondern einen Sarg, und das ist eben der Hinweis auf die Endlichkeit des Lebens.

    Im Islam ist die Rede vom “Dshih Had (leider weiß ich nicht ob das richtig geschrieben ist) vom heiligen Krieg”. Der nicht im Außen zu führen ist, wie oft verdreht dargestellt und berichtet wird. Eigentlich im wahren Sinn ist damit gemeint der Krieg gegen sich selbst, in seinem Innersten, den zu gewinnen ist eine große Herausforderung.

    Bei den Hindus oder Buddhisten geht es darum gutes Karma zu erwerben, um in besseren Umständen wieder geboren zu werden. Und eine Regel dort besagt das die Welt Leiden ist, und das Leiden mit der Geburt beginnt.

    Wir sind Sucher wir sind Kämpfer für einen neuen Weg, wer oder was weißt uns diesen Weg?
    Warum werden uns Menschen scheinbar einfach so genommen, wie zum Beispiel bei den beiden Cousinen meiner Frau. Eine Schwester kämpfte acht Jahre mit dem Krebs und war dann geheilt. Im Jahr danach bekam die andere Schwester Krebs und starb daran noch im selben Jahr mit 33 Lebenjahren.

    Wahrscheinlich gibt es noch viele solcher Ereignisse. Wie schon Fausth weiß letztendlich auch ich keine Antwort darauf. Gerade deshalb müssen wir danach trachten das Leben zu nutzen, es benutzen und keinen Moment davon (sinnlos) zu vergeuden.

    Hier springt mir gerade mein Abreiskalender ins Auge auf dem folgendes zu Lesen ist:
    “Den Dingen, mit denen du durch das Schicksal verkettet bist, denen passe dich an. Und die Menschen, mit denen dich das Geschick zusammengestellt hat, die habe lieb, aber von ganzem Herzen.”
    Mark Aurel

    morgendliche Grüße aus Wien

  • Jürgen sagt:

    Lieber Ernst,

    schön, dass ich Dir nicht den Nachtschlaf geraubt habe mit meinem Artikel. Am Tag ist ja auch genügend Zeit, sich mit solchen Fragen zu beschäftigen. Die Frage nach der Wiedergeburt wird tatsächlich von vielen Glaubensrichtungen ganz unterschiedlich beantwortet. Auffällig ist daran für mich, dass die meisten sich in dem Punkt einig sind, dass es ein Leben vor und ein Leben nach diesem gibt. Ich möchte darauf an dieser Stelle gar nicht näher eingehen, denn mein Thema ist in erster Linie das Leben HIER UND JETZT!

    Mit Deinen Ausführungen hast Du mich aber dazu inspiriert, über die Frage »Woran glaube ich?« genauer nachzudenken und darüber demnächst einen Beitrag zu schreiben. Danke für die Anregung.

    Etwas ganz anderes: Ich bin immer wieder erstaunt, wie das »Gesetz der Anziehung« gerade im Internet funktioniert. Ich habe keine Ahnung, wie viele Webseiten und Blogs es allein im deutschsprachigen Raum gibt. Ein paar Millionen dürften es aber schon sein. Und trotzdem findet sich immer wieder so etwas wie eine kleine Familie von seelenverwandten Menschen zusammen. Und diese Verbindung hält sogar eine längere Auszeit eines Bloggers aus.

    Ich war ganz von den Socken, als Du mir erzählt hast, dass Dein Sohn als Statist bei den Seefestspielen in Mörbisch arbeitet und dass Deine Frau Hildegard und Du erst am vergangenen Sonntag die Aufführung von »My Fair Lady« besucht habt. Ulrike und ich verfolgen nun schon seit 2001 die Fernsehaufzeichnungen und freuen uns jedes Jahr schon im Voraus darauf. Heuer – wie ihr Österreicher so schön sagt – müssen wir aufgrund der in den USA liegenden Fernsehrechte ja leider auf den Genuss verzichten.

    In unserem Videoregal stehen aber solche Schätze wie »Eine Nacht in Venedig«, »Der Zigeunerbaron«, »Das Land des Lächelns« (meine absolute Lieblingsoperette), »Die Chardasfürstin«, »Gräfin Mariza«, »Die lustige Witwe«, »Der Graf von Luxemburg« und »Im weißen Rössl«.

    Auch die Aufführung von »Wiener Blut« zum 50jährigen Jubiläum 2007 haben wir aufgenommen. Allerdings waren wir von der Inszenierung etwas enttäuscht. Vielleicht waren auch unsere Erwartungen an den großen Maximilian Schell einfach zu groß, den wir als Schauspieler sehr verehren. Alle anderen Stücke waren für uns genau so, wie eine Operette »sein muss«.

    In unserer Sammlung fehlt eigentlich nur die 2003 aufgeführte »Giuditta«.

    Ulrike und ich wünschen uns schon sehr lange, die Stimmung und die Atmosphäre auch mal direkt vor Ort mitzuerleben. Ich muss aber erst ein paar Glaubenssätze in Sachen Geld bearbeiten, damit es endlich in meine Richtung fließen kann ;-)

    Ich wünsche Dir einen schönen Abend und noch weiterhin viel Spaß auf leben-lernen-lieben.de
    Jürgen

    PS: Für die Leserinnen und Leser, die nicht wissen, wovon ich hier gerade so geschwärmt habe, hier der Link: Seefestspiele Mörbisch

  • Astraryllis sagt:

    Lieber Jürgen,
     
    wieder ein ganz wichtiger Beitrag von Dir. Am liebsten würde ich ihn als Flugblatt an der Uni verteilen, an der ich mein Studium absolviert habe. Denn für die Menschen dort sind ganz andere Dinge wichtig. Die großen Professoren dort wetteifern um Forschungserfolge, Veröffentlichungen und Drittmittel. Es geht um Ruhm, Macht, Geld und Ehre. Und die kleinen Leute an der Uni, die dort studieren oder auch einfach nur angestellt sind, befinden sich ständig im Stress, haben nur noch Leistung und Noten im Kopf. Und das für viele Jahre.
    Als ich dort studiert habe, ging es auch bei mir ständig um Leistung und darum auf meine Professoren einen guten Eindruck zu machen Tag für Tag, um dann auch mal eine gute Note zu bekommen. Als ich mein Diplom hatte und mich exmatrikulierte, fiel ich erst einmal in ein “Loch”, denn in meinem Leben hatte es sonst gar nicht mehr gegeben außer Leistung und Noten. Damals wusste ich einfach nichts mit mir und meiner neuen Freiheit anzufangen. Es wäre gut gewesen, hätte ich damals so über mein weiteres Leben nachgedacht, wie Du es hier in diesem Beitrag bezogen auf einen Tag gemacht hast.
    Denn mal ehrlich: Was Du beschreibst, bringt man gar nicht in nur einem einzigen Tag unter, aber es wäre ein gutes Programm für den Rest des Lebens, wie lange der auch noch dauern mag.
    Viele Menschen stellen sich nie die Frage, was für sie in ihrem Leben wichtig ist. Da wäre dieses Gedankenexperiment bestimmt hilfreich. Daher mein Wunsch es als Flugblatt nicht nur an der Uni zu verteilen. Wir würden uns gegenseitig nicht so sehr und so oft wehtun, wenn wir erkennen würden, was wirklich wichtig ist in unserem Leben. Und unser Leben wäre viel intensiver, einfach lebendiger.
     
    Liebe Grüße,
    Astraryllis.

  • Jürgen sagt:

    Liebe Astraryllis,

    ich denke auch, dass wir den Tag nicht ganz so voll stopfen müssen. Wir haben ja – hoffentlich – noch mehr als einen vor uns. Ich wollte damit auch nur die Augen öffnen für die wesentlichen Dinge, die oft viel zu kurz kommen.

    Was wäre wenn? Das ist eine Frage, die wir uns viel öfter stellen sollten. Was wäre, wenn ich alles tun könnte, was ich will – sofort? Was wäre, wenn das gar keine Frage sondern nur meine Entscheidung ist? Würde ich es dann immer noch wollen? Würde ich die Verantwortung wirklich tragen wollen? Oder ist der unbewusste Weg manchmal nicht einfach der einfachere und bequemere? Warum soll ich über solche Dinge nachdenken? Mein Kollege tut es doch auch nicht!

    Ich denke darüber nach. Und ich finde, dass es allerhöchste Zeit ist, dass sich etwas ändert. Deshalb bin ich seit heute auf folgender Plattform aktiv: Changenow.

    Ich wünsche Dir angenehme Träume,
    Jürgen

  • Ernst sagt:

    Liebe Astraryllis, lieber Jürgen!

    Meiner Meinung ist das ein Problem dieser Tage, wem sollen wir folgen?
    Der Logik oder dem Bauchgefühl, dem Verstand oder dem Herz?

    Diese Frage zum Beispiel im Netz auf diversen Foren eingegeben, wird zu Antworten führen, die sich sehr unterscheiden und doch als Wahrheit oder unumstößliche Gesetze präsentiert werden, wenn wir nur ein wenig disziplinierter sind, und die Vorgaben präzise befolgen.

    So, nun liegt wieder die Entscheidung bei uns, wo investiere ich jetzt meine kostbare Zeit um zufriedener zu werden, das große Glück oder viel Geld zu gewinnen usw.?

    Ich folge dir in deiner Antwort Jürgen, und ergänze, das die Lösung darin liegt auf die Qualität zu achten und uns Vorgaben und Muster zu besorgen (zum Beispiel Bücher, Romane, Filme …) die wir dann für uns adaptieren.

    Leider wird das Angebot ständig mehr und wir haben die Qual der Wahl, und können auch oft die Qualität nicht beurteilen.

    Ich hoffe ihr könnt mir noch folgen!

    Grüße aus einem heißen Wien sendet Ernst

  • Jürgen sagt:

    Lieber Ernst,

    ich halte mich da immer an den schönen Satz Byron Katies: »Der Verstand kennt die Fragen, das Herz kennt die Antworten«.

    Und DEINE Wahrheit findest Du immer NUR in Dir selbst. Selbstverständlich liegt deshalb auch die Entscheidung ganz allein bei Dir, was Du mit der Dir geschenkten Zeit anfängst und welche Ziele Du verfolgst. Da gibt es kein Patentrezept, auch wenn uns das oft erzählt wird.

    Folge Dir und Deinem Gefühl. Und wenn Du schon Vorbilder brauchst, dann halte Dich an Erfahrene statt an Gebildete. Prüfe, soweit möglich, ob dieser Mensch auch lebt, wovon er spricht.

    Eines meiner Anliegen mit diesem Blog ist genau das, was Du ansprichst. Es gibt heute ein unüberschaubares Angebot für ein bewusstes, gesundes und glückliches Leben. Dabei ist alles ganz einfach. Und von diesen grundsätzlichen und zeitlosen Dingen will ich hier schreiben – für mich selbst, für Dich und für alle, die hier mitlesen.

    Die Qualität dessen, was Du hier und an anderen Orten findest, kannst Du am besten beurteilen, wenn Du Dir die Wirkung ansiehst, die diese Dinge auf Dein eigenes Leben haben. Geht es Dir gut damit – körperlich, geistig und vor allem seelisch -, dann bleibe dabei und passe es vielleicht noch ein wenig Deinen Bedürfnissen an. Stellst Du keine Verbesserung oder sogar das Gegenteil fest, dann verabschiede Dich von diesen Ideen, Rezepten und »Geheimnissen«.

    Liebe Grüße,
    Jürgen

  • Hallo zusammen,
    wir können unserem Leben nicht mehr Tage, jedoch unseren Tagen mehr Leben geben.
    Vor Jahren habe ich einmal in einem Buch der Sterbeforschin Kübler-Ross gelesen, dass sie viele Sterbende erlebt hat, die bedauerten, dass sie in ihrem Leben zu viel gearbeitet und zu wenig bei den sie liebenden Menschen verbracht haben.
    Traurig, wenn einem diese Erkenntnis erst auf dem Sterbebett kommt.
    Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Deshalb koste ich ihn aus, voll und ganz.
    Jürgen Gräbel
     

  • Jürgen sagt:

    Hallo Jürgen,

    schön, dass Du Dich wieder einmal zu Wort meldest. Du hast recht: Die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross und eine DVD über ihr Leben haben mir auch in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet.

    Doch obwohl wir das alle wissen (könnten), wird von vielen immer noch auf die Menschen herabgesehen, die ganz offen kürzer treten und das Leben genießen. Du hast ja auch die Diskussion bei Zeit zu leben mitverfolgt, als Tania Konnerth das Buch »Arbeitslos und trotzdem glücklich« vorstellte. Offenbar ist vielen immer noch nicht klar – Herr Steinmeier betet es ja vor – dass es Vollbeschäftigung in der gewohnten Art nicht mehr geben wird. Die technische Entwicklung erlaubt es uns, selbst weniger zu arbeiten. Umso wichtiger werden Tätigkeiten im sozialen, kulturellen und kreativen Bereich. Doch statt diese positive Entwicklung mit offenen Armen willkommen zu heißen, wird immer noch nachgebetet, wie wichtig eine »ordentliche« und vor allem »harte« Arbeit ist.

    Ich kann nur für mich sprechen und muss sagen, dass ich allein mit dieser Internetseite schon mehr Menschen geholfen und ihnen Freude bereitet habe, als ich es in meinem Speditionsjob je konnte. Doch der war im Gegensatz hierzu gut bezahlt und anerkannt.

    Liebe Grüße,
    Jürgen

  • Norbert sagt:

    Hallo Jürgen,
    habe mich ein bisserl bei Dir aufgehalten.
    Mal einen kleinen Gedanken:
    Du schreibst, der wichtigste Mensch in deinem Leben ist Ulrike.
    Ich weiß natürlich, was du damit zum Ausdruck bringen möchtest.
     
    Gehe ich recht in der Annahme, dass Du ihr 100% Deiner Liebe geben möchtest?
    Ist es auch so, dass man (Du) nur geben kannst was Du hast?
    Wenn Du also Ulrike das Liebste ist, dann hast stellst du Dich hinten an.
    Dann kannst Du kleine 100% geben
    Meine Haltung, liebe Dich selbst zu 100%, dann kannst Du auch 100% geben.
    Soviel Egoismus soll sein ! :-)
    Dann lebst auch so, als ob jeder Tag, der letzte währe. So stelle ich mir Lebenserfüllung vor. Es kommt dann alles zu Tragen, was Du im Rext aufgeführt hast.
     
    Ganz liebe Grüsse
    Norbert :-)

  • Jürgen sagt:

    Lieber Norbert,

    ich bin natürlich vollkommen Deiner Meinung. Deshalb habe ich ja auch ein ganzes Buch zum Thema Selbstliebe geschrieben, in dem dieser Punkt hoffentlich mehr als deutlich wird.

    Doch was heißt in diesem Zusammenhang überhaupt 100%? Ich denke, Liebe ist unbegrenzt – oder sie kann es zumindest sein. Wir Menschen sind es, die sie einteilen, wie wir es auch mit vielen anderen Dingen tun, die eigentlich im Überfluss vorhanden sind.

    Liebe Grüße,
    Jürgen

  • Norbert sagt:

    Ich denke, dass 100% das sind, wenn urteilen ausgeschlossen ist, und das gegeüber jeder Situation, jedem Menschen.
    In dem wir es in den Worten von Erich Fried sagen: Es ist was es ist!

    Was es ist
    Es ist Unsinn
    sagt die Vernunft
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe
    Es ist Unglück
    sagt die Berechnung
    Es ist nichts als Schmerz
    sagt die Angst
    Es ist aussichtslos
    sagt die Einsicht
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe
    Es ist lächerlich
    sagt der Stolz
    Es ist leichtsinnig
    sagt die Vorsicht
    Es ist unmöglich
    sagt die Erfahrung
    Es ist was es ist
    sagt die Liebe
     
    Beste Grüsse
    Norbert

  • Hallo Jürgen und Norbert,
    100 Prozent geht nie. Das ist einer meiner Kernsätze in meiner Arbeit, wenn es um menschliche Eigenschaften oder Tätigkeiten geht. Perfekt können Maschinen sein, aber keine Menschen.
    100 Prozent lieben demzufolge geht m. E. auch nicht (Wie will man das eigentlich messen?). Aber das ist ja auch gar nicht entscheidend. Seine Partnerin zu lieben, heißt doch sie anzunehmen, wie sie ist. Mit allen ihren Stärken und Schwächen, die sie ja oft erst liebenswert macht, weil man sich manchmal auch selbst darin wiedererkennt.
    Ich denke, einen anderen Menschen zu lieben, ist eines der größten Geschenke, die das Leben uns bieten kann. Ich genieße dieses Geschenk mit der selben Frau seit über 40 Jahren.
    Gemeinsame Ziele, gemeinsame Ideale, gemeinsame Werte verbinden uns und wir genießen unsere gemeinsame Zeit, die das Leben uns schenkt. Zum Glück haben wir, aufgrund meiner beruflichen Situation, regelrechten Zeitluxus.
    Ob es für mich entscheidend ist, dass ich mich selbst liebe? Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht ausführlich nachgedacht. Ich akzeptiere mich so wie ich bin und arbeite kontinuierlich an meiner persönlichen Weiterentwicklung. Ich weiß, dass ich noch sehr, sehr viel lernen will und kann. Ich weiß aber auch, dass ich anderen Menschen viel Nutzen bieten kann, wenn ich sie an meinem Wissen und an meinen Fähigkeiten teilhaben lassen kann. Dieses Nutzen bieten befriedigt mich sehr.
    Allen Lesern alles Gute
    Jürgen Gräbel
     

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