Wo ist das Paradies?

Ich sage ja immer: »Das Paradies liegt in mir.« Doch wenn Ulrike und ich es außerhalb von uns suchen, führt uns der Weg sehr oft in den sonnenverwöhnten Kaiserstuhl. Vor allem in den vergangenen Monaten hat es uns immer wieder dort hingezogen und wir konnten unter anderem herrliche Orchideenblüten bewundern.

Affen-Knabenkraut - zum Vergrößern bitte anklickenWeil Du hier in den letzten Tagen schon recht viel lesen durftest und das alles vielleicht erst einmal »verdauen« musst, dachte ich mir, ich zeige Dir zur Abwechslung wieder ein paar Bilder. Deshalb heute nur ein paar Worte zur Orientierung, damit Du weißt, wo die Fotos entstanden sind.

Wenn wir auf unserem Balkon sitzen, können wir den Kaiserstuhl schon sehen, wie er sich aus der Oberrheinischen Tiefebene erhebt. Kaum eine halbe Stunde Autofahrt, und wir sind mitten drin in einer traumhaften Landschaft, in der es sich hervorragend wandern lässt. Und weil er mit 16 Kilometern Länge und 12,5 Kilometern Breite ein überschaubares kleines Vulkangebirge ist, bietet er sich für genaue Erkundungen und beschauliche Spaziergänge geradezu an. Dabei haben wir seine höchste Erhebung fast immer im Blick: den 558 Meter hohen Totenkopf mit dem weithin sichtbaren Fernsehturm.

Charakteristisch sind die terassenförmigen Weinberge. Obstanlagen und Streuobstbestände prägen die Seitentäler. Und darin eingebettet immer wieder blumengeschmückte Winzerdörfer mit eindrucksvollen Fachwerkhäusern. Der Kaiserstuhl ist wirklich ein herrliches Fleckchen Erde und eine der wärmsten und sonnenreichsten Gegenden im Land. Der Frühling hält hier immer schon Einzug, wenn weite Teile der Republik noch vom Winter beherrscht werden. Dieses einmalig milde Klima und die fruchtbaren Lössböden bilden zusammen den idealen Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere, darunter einige, die in unseren Breiten sonst kaum zu finden sind.

Den Tag lassen wir nach so einer Entdeckungsreise dann gerne in einem unserer Lieblingsrestaurants ausklingen, Schindler’s Ratsstube in dem schmucken Städtchen Endingen. Lange sitzen wir dann da, unterhalten uns bei einem leichten Abendessen oder schweigen auch einfach gemeinsam, lassen die Eindrücke des Tages in uns nachklingen, genießen den Blick auf den malerischen Marktplatz und gönnen uns einen Schoppen Grauburgunder, denn schließlich ist der Kaiserstuhl auch für seine edlen Weine bekannt, die hier unter idealen Voraussetzungen prächtig gedeihen. Das wussten sogar schon die alten Römer.

Bickensohl im Kaiserstuhl / Blick zum Totenkopf - zum Vergrößern bitte anklickenWeißes Waldvögelein - zum Vergrößern bitte anklickenPyramiden-Hundswurz - zum Vergrößern bitte anklickenBrand-Knabenkraut - zum Vergrößern bitte anklickenKirschbaum - zum Vergrößern bitte anklickenDistelfalter - zum Vergrößern bitte anklickenSchwertblättriges Waldvögelein - zum Vergrößern bitte anklickenRotes Waldvögelein - zum Vergrößern bitte anklickenZwei Prachtexemplare - zum Vergrößern bitte anklickenPurpur-Knabenkraut - zum Vergrößern bitte anklickenGlockenblumen - zum Vergrößern bitte anklickenSchindler's Ratsstube - zum Vergrößern bitte anklicken

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10 Kommentare zu „Wo ist das Paradies?“

  • Helmut sagt:

    Ja Jürgen, du lebst echt in einem Paradies, wie so viele von uns. Auch ich wohne in einer herrlichen Gegend und habe das Privileg in diesem Paradies auch arbeiten zu dürfen. Wenn ich mir die künstlichen Paradiese der Reichen und Schönen so ansehe, dann bin ich wieder glücklich und dankbar in einem echten Naturparadies leben zu dürfen. Leider habe ich viel zu wenig Zeit, dies alles betrachten und geniessen zu können. Wie du lieber Jürgen auf meinem Blog geschrieben hast, von der Mietwohnung in deinem Paradies früher, da hab ich mir so meine Gedanken gemacht. Wir haben einen wunderschönen Bauernhof und bewirtschaften diesen nicht nur biologisch, sondern auch sehr nachhaltig (nur Heuwirtschaft,kein Silo) um diese paradiesische Landschaft bei uns auch erhalten zu können. Da wir jedoch 5 Gebäude und sehr viele Maschinen zu erhalten und an die nächste Generation weitergeben wollen, bleibt für die Schönheit und das geniessen oft zu wenig Zeit. Ich habe mir oft schon gewünscht, weniger Besitz und dafür mehr Zeit zu haben um das Leben und die Natur auch entsprechend geniessen zu können. Sehe den Erhalt des Bauernhofes und die naturnahe Bewirtschaftung aber als unsere Lebensaufgabe und deshalb will ich mein Bestes geben um dieses Paradies auch erhalten zu können. Ich bin sehr dankbar für alles und kann trotzdem sehr viel von diesem herrlichen Paradies auf Erden für mich geniessen.

    Lieber Jürgen, schön dass du die Zeit und das Bewusstsein hast die kleinen Dinge im Leben zu sehen, sie machen uns oft wesentlicher glücklicher als aller Luxes und äußerer Reichtum. Danke dir für deinen Artikel und gratuliere zu deinem tollen Blog, den ich jeden Tag sehr gerne besuche.

  • Elisabeth sagt:

    Liebster Jürgen,
    danke dir für diese Orchideenblütenpracht – du weißt ja, wie sehr mich dies begeistert! Einfach wundervoll! Ich lebe auch in so einem Paradies, im Süden von Wien, in den Föhrenbergen… Heuer hab ich zum ersten Mal in dieser Gegend Stendelwurz blühen gesehen – unfassbar schön… Neben Brandorchis, Waldvöglein, Hummelragwurz, Waldhyazinthen – und sogar Diptam, der jedoch nicht zu den Orchideen zählt. Wundervoll! Also, ich denke, der Kaiserstuhl lockt mich, und ich werde dem Ruf folgen! :-) Aber die Orchideen sind nun schon am Verblühen, gell?
    Alles Liebe für dich – ich genieße deine Fotos…
    Elisabeth

  • Jürgen sagt:

    Lieber Helmut,

    ich denke, bei Dir liegt der Fall vollkommen anders, als bei den Menschen, von denen ich gesprochen habe: Du sprichst ja selbst von einer Lebensaufgabe und trägst mit Deinem Hof auch jede Menge zur Erhaltung Eurer Kulturlandschaft bei. Gleichzeitig sorgst Du dafür, dass es Deinen Kindern später gut geht. Außerdem lernst Du immer mehr, das alles auch wirklich zu genießen. Ich bin sicher, Du würdest es spüren, wenn eine Veränderung anstünde. Das scheint mir aber momentan nicht der Fall zu sein. Du machst eher einen glücklichen Eindruck. Dass trotzdem manchmal Gedanken wie »Was wäre wenn …« aufkommen, ist vollkommen normal. Das geht mir auch oft so.

    Ich meinte vorhin einige Leute, die ich kannte. Sie hatten teure Häuser in unverbaubarer Hanglage, mit einer herrlichen Aussicht, Pool und allem, was so dazugehört. Nur hatten sie kaum etwas davon, weil sie unter der Woche oft 10 bis 12 Stunden in stickigen Büros in der Stadt arbeiteten, stundenlang auf der Straße unterwegs waren, abends todmüde nach Hause kamen, am Wochenende noch so viel zu erledigen hatten und sich dann auch noch um die Verwaltung und Erhaltung ihres Besitzes kümmern mussten. Manch einer baute sogar noch in Eigenleistung an seinem Haus weiter. Da blieb keine Zeit, das alles auch nur auszukosten geschweige denn in Ruhe zu genießen. Das wurde dann auf die Rente verschoben, die viele von diesen Menschen gar nicht mehr erreicht haben.

    Ich habe einmal zu Ulrike gesagt: Lieber habe ich ein Sofa für 1.000 Euro, das ich bezahlen kann und auf dem ich mich gemütlich ausstrecken kann, weil ich noch Muße habe, als ein Sofa für 10.000 Euro, für das ich rund um die Uhr arbeiten muss und das meine Gäste öfter zu Gesicht bekommen als ich.

    Wenn ich bei Dir den Wunsch nach mehr Bewusstheit für das Schöne und Gute im Leben und die Sehnsucht nach mehr persönlicher Freiheit geweckt habe, und wenn ich Dir das Gefühl der Fülle vermitteln kann, dann freut mich das sehr. Denn dafür schreibe ich.

    Alles Liebe,
    Jürgen

  • Jürgen sagt:

    Liebe Elisabeth,

    Diptam, ehrlich? Ich hatte auf meiner alten Seite eine Rubrik mit dem Titel »Augenblick mal!«. Dort hatte ich Ende Mai 2006 Bilder von Diptam veröffentlicht, die auch am Kaiserstuhl entstanden sind (dort gibt es eines der wenigen Vorkommen bei uns). Die Fotos machen mittlerweile schon die Runde im Netz, genauso wie die Sonnenblume, die meine frühere Startseite geziert hat. Die schmückt mittlerweile sogar schon Plakate für erneuerbare Energie und den Verkaufsraum in einem benachbarten Naturkostladen. Und immer wieder bekomme ich neue Anfragen.

    Wenn Du mal in der Nähe bist und einen ortskundigen Fremdenführer brauchst, kennst Du ja jetzt einen :-)

    Alles Liebe,
    Jürgen

  • Astraryllis sagt:

    Lieber Jürgen,
     
    es ist wunderbar sich der Natur verbunden zu fühlen und sie genießen zu können. Manchmal mache ich mir Sorgen, um Mitmenschen, die kaum einmal raus in den Wald gehen, um frische Luft zu schnappen und die Seele im Grünen weit werden zu lassen. Sehr viele Menschen schauen sich heute lieber einen Naturfilm an, als sich direkt mit der Natur zu konfrontieren.
     
    Am Kaiserstuhl war ich erst einmal, aber ich sah dort große, schwarze Kurzfühlergrillen, die ich bis dahin noch nicht kannte. Leider fand ich nicht die erhoffte Gottesanbeterin dort. Dafür ab er viele wunderschöne Orchideen.
    Bei uns hier in der Gegend um Heidelberg kenne ich eine kleine, ganz versteckte Orchideenwiese. Im Mai und Juni bin ich manchmal dort und mache auch Fotos.  Es ist schön auf diese Weise eine Erinnerung an “meine” Orchideen zu haben.
     
    Liebe Grüße,
    Astraryllis.
     

  • Jürgen sagt:

    Ja, liebe Astraryllis, ich könnte auf so ziemlich alles verzichten – was ich ja auch schon einmal getan habe -, aber niemals auf regelmäßige Aufenthalte in der Natur. Möglichst jeden Tag, und wenn es nur ein Spaziergang durch die Weinberge gleich hinter unserem Haus ist (also das Haus unseres Vermietern, in dem wir eine Wohnung haben). Jetzt weißt Du auch, warum ich mehr Blumen- als Tierbilder im Blog habe. Selbst wenn man öfter unterwegs ist, ist es ein großer Glücksfall, eine Gottesanbeterin zu entdecken, die gut getarnt im Gras sitzt, geschweige denn, sie auch noch zu fotografieren. Ich lauere schon die ganze Zeit auf die schönen Smaragdeidechsen, die es dort gibt, habe auch schon welche über die Böschung huschen sehen, aber vor die Linse hat sich mir noch keine freiwillig gesetzt.

    Ich liebe übrigens beides: den direkten Kontakt mit der Natur und gut gemachte Filme, am liebsten über Lebensräume, die ich auch selbst kenne. Berichte über Eisbären und Giraffen sind zwar ganz lehrreich, ich mag aber mehr Filme wie zum Beispiel »Faszination Wald«, der vor Kurzem in zwei Teilen lief.

    In Heidelberg war ich vor 15 Jahren das letzte Mal. Dort lässt es sich auch gut leben.

    Gruß,
    Jürgen

  • Elisabeth sagt:

    Danke dir, lieber Jürgen,
    darauf komme ich sehr gerne zurück!!! Das ist ein Traum! So eine wundervolle Welt… auch voller Glück, nicht wahr? :-)
    Allerliebste Sonnenblumengrüße zu dir, Elisabeth

  • Jürgen sagt:

    »Sonnenblumengrüße« – ach, das gefällt mir! Gerade wir hier in Mitteleuropa mit seinem gemäßigten Klima und den vielen Wäldern leben wirklich in einem Paradies. Also Augen auf und hinein ins pralle Leben!

    Schön, dass Du Dich nach all der Arbeit diese Woche jetzt so herrlich entspannen kannst.

    Gruß,
    Jürgen

  • Eva sagt:

    wunderschön …. ich glaube uns verbindet die Liebe zur Natur :)
    LG von Eva

  • Jürgen sagt:

    Das weiß ich schon lange, liebe Eva. Jedes Mal, wenn EVASURUM in meinem FeedReader steht, fange ich schon im Voraus an zu strahlen, weil ich weiß, jetzt kommt wieder das eine oder andere schöne Foto! Und meistens war es dann auch so. Dabei war die Natur immer schon die größte Künstlerin, und Du verstehst es sehr gut, ihre allzu vergängliche Kunst in einmalig schönen Bildern zu bewahren. Herzlichen Dank dafür!

    Liebe Grüße,
    Jürgen

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